5 Möglichkeiten den Garten vogelfreundlich zu gestalten

Rotkehlen. © Markus Jais
Rotkehlen. © Markus Jais

Heute leben in Städten und Ortschaften oft viel mehr Vögel als in der ausgeräumten Agrarlandschaft. In den Gärten und Parks finden viele Vogelarten Nahrung und Nistmöglichkeiten die ihnen außerhalb mittlerweile fehlen.

Aber ob ein Garten eine guter Lebensraum für Vögel ist hängt entscheidend von dessen Ausstattung ab. In diesem Artikel beschreibe ich 5 Möglichkeiten um einen Garten vogelfreundlich zu gestalten.

1) Nistkästen aufhängen

Vögel wie Meisen oder Schnäpper brüten gerne in Höhlen. Die sind leider auch in vielen Gärten Mangelware weil es oft an alten Bäumen fehlt. Gerade in neu angelegten Gärten sind Bäume meist viel zu klein um schon natürliche Höhlen zu formen oder Spechten die Möglichkeit zu bieten eine Höhle zu zimmern. Und auch in Gärten mit älteren Bäumen kann es sinnvoll sein mit Nistkästen noch das Angebot zu erweitern. Man kann in einem mittelgroßen Garten auf jeden Fall mehrere Nistkästen aufhängen. Idealerweise sind es nicht 10 mal der gleiche Kastentyp. So kann man z.B. das Einflugloch variieren. Eine Möglichkeit wären z.B. 3 Starenkästen, 2 Meisenkasten mit 32mm Flugloch (Kohlmeise, Kleiber) und 2 mit 26mm (Blaumeise). Zusätzlich kann man noch Halbhöhlen aufhängen, z.B. für den Hausrotschwanz und spezielle Nisthilfen für Mehlschwalben. Auch Haus- und Feldsperling nehmen Nistkästen an. Wer einen großen Garten mit alten Bäumen hat kann auch einen Kasten für den Waldkauz aufhängen. Nistkästen sollte man im Herbst reinigen. Besonders wichtig ist auch dass sie für Katzen nicht erreichbar sind. Am besten eignen sich stabile Kästen als Holzbeton wie man sie z.B. im Online Shop von NABU und LBV bekommt. Die Kästen aus Holzbeton halten Jahrzehnte lang.

2) Vogelfreundliche Bäume und Sträucher pflanzen

Vögel brauchen Nahrung, eine Nistmöglichkeit und Schutz vor Feinden. Die richtigen Gehölze können alles 3 bieten. Ein Weißdorn zum Beispiel bietet Nahrung durch Beeren, die Blüten locken Insekten an die Vögel für die Jungenaufzucht und für sich selbst benötigen und die Dornen schützen vor Feinden, wie z.B. Hauskatzen.

Der Weißdorn ist nur ein Beispiel für eine Strauch den man im Garten pflanzen kann um den Vögeln zu helfen.

Weitere gute Sträucher sind u.a.

  • Schlehdorn
  • Wildrosen
  • Haselnuss
  • Gemeiner Hartriegel
  • Heckenkirsche
  • Liguster
  • Wasser- und Wolliger Schneeball

Nicht alle Arten bieten für die oben genannten Bedürfnisse immer gleich gute Möglichkeiten. Z.B. bieten Haselsträucher nicht den gleichen Schutz wie Weißdorn und Beerenfresser wie Graßmücken haben nicht viel von den Nüssen. Aber dafür profitieren von den Haselnüssen u.a. Tannenhäher, Eichelhäher oder Buntspecht. Und natürlich auch Eichhörnchen. Oder gar Wildschweine wenn die in den Garten kommen (dürfen).

Geeignete Bäume sind u.a.:

  • Eichen (viele Insekten, Eicheln als Futter)
  • Rotbuche
  • Hainbuche
  • Eberesche (auch Vogelbeere genannt, die Beeren sind z.B. beliebt beim Amseln und Wacholderdrosseln)
  • Obstbäume (am besten mit hohem Stamm)
  • Walnuss
  • Birken
  • Linden
  • Eichen
  • Nadelbäume wie Fichten oder Kiefern
  • Spitz- und Bergahorn

Nicht jeder kann alles in einen Garten pflanzen. Wenn möglich wären z.B. 2 Obstbäume (1 Kirsche und ein hochstämmiger Apfelbaum) und eine Stieleiche ein gute Mischung. Die Obstbäume locken durch Blüten Insekten an und das Obst kann man natürlich selber essen oder mit den Vögeln, z.B. Staren, Amseln oder Wacholderdrosseln teilen. Auch der Admiral, ein Tagfalter, geht gerne an Fallobst. Eichen beherbergen viele Insektenarten (weitere Infos dazu u.a. hier: In und an der Eiche). Die Eicheln sind Futter für Spechte, Eichelhäher, Tannenhäher oder Eichhörnchen. Manche Arten nutzen Eichen auch zum Brüten, z.B. Buchfink, Buntspecht (aber einer gewissen Größe), Ringeltaube oder Rabenkrähe. In manchen Städten kann sogar ein Habicht in einer großen Eiche brüten.

3) Insekten in den Garten locken

Ein Angebot an Nistkästen und Sträuchern für die Nester alleine hilft den Vögeln noch nicht, es muss auch ausreichend Nahrung vorhanden sein. Zur Brutzeit bedeutet das vor allem Insekten. tIm Garten kann man sehr viel für Insekten tun und somit auch den Vögeln helfen welche die Insekten dann als Nahrung benötigen. Wichtig ist der Verzicht auf Pestizide im Garten. Außerdem sollte der Garten viele Blumen, Stauden, blühende Sträucher und wenn möglich auch Bäume wie Eichen haben. Die Pflanzen bieten vielen Insekten Nektar und andere Nahrung, z.B. Blätter für Raupen. Ein Teich kann Wasserinsekten anlocken, sogar Libellen kommen in die Gärten. Einen Teil des Gartens kann man in eine Wiese verwandeln. Wildblumensamen gibt es im Internet zu kaufen. Für Bienen und andere Arten kann man Nistplätze anbieten. Mehr Informationen findet man u.a. beim NABU: Insektenfreundlicher Garten. Insgesamt gilt: Je mehr Insekten desto mehr andere Tiere profitieren davon. Neben Vögeln auch Fledermäuse, Spitzmäuse und auch wieder Insekten die sich selbst von Insekten ernähren.

4) Vögel füttern

Das Thema Vogel füttern ist durchaus umstritten. In letzter Zeit hat aber teilweise ein Sinneswandel eingesetzt, u.a. durch das Buch von Peter Berthold und Gabrielo Morh (Rezension siehe hier:  Buch Rezension: Vögel füttern – aber richtig ).

Im Internet siehe u.a. in diesem kürzlich von Landesbund für Vogelschutz veröffentlichen Positionspapier. Wer ein Buch möchte dem sei das bereits erwähnte von Peter Berthold empfohlen und auch das neue von Norbert und Anita Schäffer (Norbert Schäffer ist der Vorsitzende des LBV): Vögel füttern im Garten – ganzjährig und naturnah. Grundsätzlich gilt, dass man mit dem Füttern alleine die Vogelwelt nicht retten wird, sie kann aber viele Arten und Individuen unterstützen die in der immer ärmeren Agrarlandschaft nichts mehr finden. Bis hier ein Bewusstseinswandel bei der Politik einsetzt (wenn das jemals passiert) ist die Vogelfütterung ein wichtiger Beitrag. Und Vögel füttern ist eine wundervolle Möglichkeit Vögel zu beobachten oder sie Kindern nahe zu bringen. Wenn man viel Vögel durch Füttern in den Garten lockt sollte man sich nicht ärgern wenn mal ein Sperber vorbei schaut und sich eine Amsel oder eine Meise holt. Auch der Sperber muss leben und man kann sich freuen dass der gewandte Greifvogel auch den eigenen Garten besucht.

5) Vögel vor Katzen schützen

Katzen sind Prädatoren und damit eine Gefahr für Vögel. Aufgrund der Unterstützung durch den Menschen ist die Hauskatze viel häufiger als es die Wildkatze auch in optimalen Lebensräumen je sein könnte. Damit Katzen die Vögel im eigenen Garten (oder einem anderen) nicht gefährden, sollte man  Nistkästen und Futterhäuser so aufhängen dass Katzen nicht ran kommen.

Und man kann die Katzen im Haus lassen, vor allem zur Brutzeit wenn viele Jungvögel im Garten sind deren Fluchtverhalten oder auch deren Flugvermögen evtl. noch nicht so gut ausgeprägt sind wie bei Altvögeln. Junge Amseln sitzen oft am Boden und waren drauf von den Altvögeln gefüttern zu werden. Dabei sind sie durch Katzen besonders gefährdet. Weitere Informationen zu Vögeln und Katzen findet man z.B. hier beim NABU: Katzen und Singvögel.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten Vögel im Garten zu helfen. Die hier aufgezeigten sind nur eine Auswahl. Wer im Internet sucht der findet viele weitere Infos. Es lohnt sich auf jeden Fall im Garten den Vögeln zu helfen. Nicht nur den Vögeln wegen sondern auch weil man dann zu Hause immer wieder spannende Beobachtungen machen kann.

Buchtipp

Demnächst erscheint Das große Buch der Gartenvögel von Uwe Westphal. Eine Rezension erfolgt hier kurz nach Erscheinen des Buches. Bereits online ist die Rezension zu Uwe Westphal’s Buch Mehr Platz für den Spatz.