Buch Rezension: Biodiversität – Warum wir ohne Vielfalt nicht leben können

Biodiversität ist ein mittlerweile häufig gebrauchter Begriff. Trotzdem können sich viele Menschen darunter wenig vorstellen und noch viel weniger Menschen ist bewusst wie wichtig der Erhalt der Biodiversität nicht nur für die Natur sondern auch besonders für uns Menschen ist. Der Planet Erde ist ökologischen Grenzen und Gesetzen unterworfen die auch der Mensch nicht ignorieren kann.

Oft aber fällt es auch Naturschützern schwer die Leute vom Erhalt der Artenvielfalt zu überzeugen. Wozu „braucht“ man z.B. Käfer? Oder Singvögel? Diese  Fragen hört man leider auch im 21 Jahrhundert immer noch.

Ewald Weber erklärt in seinem neuen Buch Biodiversität – Warum wir ohne Vielfalt nicht leben können umfassend was man alles über Biodiversität wissen muss.

Im ersten Teil des Buchs erklärt Weber was Biodiversität ist und wie sie entstanden ist. Man lernt wo es die meisten Arten gibt und z.B. warum die  Tropen besonders artenreich sind. Hier können natürlich nicht alle Ideen ausführlich dargestellt werden, dazu könnte man eigene umfangreiche Bücher schreiben. Mehr mehr wissen will dem sei u.a. das hervorragende Buch The New Neotropical Companion empfohlen (unbedingt lesen bevor man in die Neotropen fährt!).

Vielfalt gibt es sowohl in den Genen als auch in ganz großen Maßstab in den Lebensgemeinschaften, z.B. einem alten Laubwald, den Hochlagen in den Alpen oder in tropischen Regenwäldern. Das ist  Thema des 2. Teils des Buchs. Der Autor erklärt verständlich warum genetische Vielfalt bei Tieren so wichtig ist für die weitere Evolution. Es reicht nicht nur Restpopulationen von einst weit verbreiteten Tierarten zu erhalten. Je größer die genetische Vielfalt, desto eher kann sich die Art Umweltveränderungen anpassen und sich weiter entwickeln oder sich  z.B. in mehrere Arten aufteilen. Als Beispiel im Buch wird die Situation des Geparden erläutert.

In  Teil 3 wird auf die Entstehung von Biodiversität eingegangen. Hier werden z.B. einige Meilensteine der Evolution aufgeführt. Natürlich nur eine kleine Auswahl, es handelt sich hier nicht um ein umfangreiches Lehrbuch zur Evolution. Ein interessantes Beispiel welches der Autor dem Leser nahe bringt ist das Erscheinen der Gräser. Von Gräsern profitieren viele Pflanzenfresser und die  Ausbreitung der Gräser hat auch die  Evolution der Pflanzenfresser beeinflusst. Ohne Gräser gäbe es heute kein Serengeti oder asiatische Steppen und viele deren Bewohner. Von den Pflanzenfressern profitieren wiederum Fleischfresser wie die Löwen der Serengeti oder die Steppenadler der asiatischen Steppengebiete. Auch auf die Bedeutung von vielfältigen Beziehungen (Netzen) in Ökosystemen wird eingegangen. Dabei wird deutlich das komplexere und vielfältigere Beziehungen Ökosysteme stabiler machen.

Besonders spannend ist Teil 4 mit der Überschrift „Was nützt uns Biodiversität“.  Hier lernt man u.a. über die Bedeutung der Artenvielfalt für die Medizin. Und warum Artenvielfalt besser vor Malaria schützen kann. So scheint Malaria z.B. da häufiger aufzutreten wo der Wald gerodet wird und sich dadurch die Vielfalt der Stechmücken reduziert.  Viele Arten übertragen kein Malaria.  Die Arten welche Malaria übertragen scheinen aber wohl von den Rodungen zu profitieren und so steigt die Zahl der Erkrankungen.  Auch auf die sogenannten Ökosystemdienstleistungen (z.B. Bestäubung) wird in diesem  Kapitel eingegangen.

Teil 5 und 6 widmen sich dann abschließedend dem Verlust der Artenvielfalt und wie wir sie retten können, z.B. durch Renaturierung, Wildnisgebiete, Vernetzung von  Biotopen usw. Die Rolle für Zoos in Artenschutz sieht der Autor nur für sinnvoll wenn die Zucht und Haltung im Zoo zur Wiederansiedlung draußen in der Natur führt. Im Zoo kann man zwar Arten wie Tiger oder Bartgeier erhalten, aber die Art kann keine ökologische Rolle spielen im Zoo.

Kurz wird beim Thema Schutz ein Biotopverbund erwähnt. Naturschutz muss auch außerhalb der Schutzgebiete funktionieren und bestehende wertvolle Schutzgebiete müssen vernetzt werden, z.b. durch Hecken, Brachstreifen oder renaturierte Bäche und Flüsse. Viele Arten bewegen sich zwischen geeigneten Habitaten eher  entlang von Hecken (Nahrung, Schutz vor Feinden) als über die frei Agrarlandschaft (keine Nahrung, weniger Schutz).

Das Buch ist sehr angenehmen zu lesen. Der Autor verfügt nicht nur über ein umfangreiches Fachwissen, sondern kann dies auch für die breite Masse sehr verständlich vermitteln.

Im Nachwort sieht der Autor durchaus Hoffnung und weist zu Recht auf die Erfolge der letzten Jahrzehnte hin, macht aber deutlich dass noch viel mehr Anstrengungen nötig sind um die Biodiversität zu erhalten.

Der Autor schreibt: „Es ist klar, dass die anhaltende Zerstörung der Biosphäre nur durch einen massiv verstärkten Naturschutz und durch tief greifende Veränderungen unseres Verhaltens kompensiert werden kann.

Damit hat er mit Sicherheit Recht!

Bei einigen Themen hätte ich mir gerne noch mehr Informationen gewünscht aber natürlich kann auch hier nicht alles im Detail erklärt werden, das würde eine ganze  Bibliothek benötigen. Für einige weitere interessante Bücher siehe weiter unten.

Der Fokus des Buchs ist global was dem Thema angemessen ist. Es wird aber auch oft auf die Situation in Mitteleuropa eingegangen.

Fazit

Das Buch ist hervorragend und unbedingt empfehlenswert. Das Wissen in diesem Buch sollte heute zur Allgemeinbildung gehören. Von daher sollte es eigentlich jeder lesen. Dank der Schreibfähigkeiten des Autors ist das Buch wirklich für jedermann gut lesbar und verständlich.

Besonders empfehlen möchte ich es Naturschützern, die vielleicht immer wieder mit der Frage konfrontiert werden, warum der Schutz der Arten überhaupt nötig sei. Diese Fragen kommen nicht nur von Gegnern des Naturschutzes sondern sind eine oft ernst gemeinte Frage von interessierten Bürgern die sich bisher mit Biodiversität und Naturschutz nicht beschäftigt haben.
Mit diesem Buch hat der Leser viele überzeugende Argumenten an der Hand.

Weiterer Lesestoff

Wer noch tiefer in das faszinierende Thema einsteigen könnte kann das u.a. mit dem ebenfalls beim Springer erschienenen Buch Biodiversität – Grundlagen, Gefährdung, Schutz.
Weitere Begründungen zum Schutz der Biodiversität findet man in Defending Biodiversity.
Wer sich noch mehr mit Ökologie beschäftigen möchte dem sei unbedingt das Buch Ökologie der Wirbeltiere empfohlen.
Zum Thema Naturschutz kann man z.B. Naturschutz – ein kritischer Ansatz und das sehr gute Buch An Introduction to Conservation Biology lesen.

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