Buch Rezension: Die Watvögel Europas

Watvögel (Limikolen) gehören zu den beliebtesten Gruppen bei den Vogelbeobachtern – trotz nicht immer einfacher Bestimmung.

Aber viele Birder mögen die Herausforderung gerade die schwierigen Arten zu bestimmen.
Ist das jetzt ein Temminck- oder ein Zwergstrandläufer? Verfälscht der Schlamm die Beinfarbe? Oder täuscht das Gegenlicht?

Limikolen sind spannende Vögel. Nicht nur wegen den Herausforderungen bei der Bestimmung. Auch ihr Verhalten, ihre Ökologie und die beeindruckenden Leistungen beim Vogelzug sind faszinierend.

Auch für den Naturschutz sind es wichtige Arten. So weißt der z.T. dramatische Rückgang von Arten wie Großer Brachvogel, Uferschnepfe oder Kiebitz darauf hin, dass die Lebensräume – großflächig zerstört u.a. duch die intensive Landwirtschaft – nicht mehr vorhanden oder geeignet sind für den Erhalt dieser Arten. Und mit den Limikolen verschwinden dann viele weitere Arten, z.B. Braunkehlchen oder Wiesenweihe.

Jetzt gibt es ein hervorragendes deutsches Buch über die Watvögel Europas. Ursprünglich auf Dänisch erschienen und schon auf Französisch und Englisch übersetzt, hat der Haupt Verlag es jetzt auf Deutsch veröffentlicht (basierend auf der englischen Übersetzung).

Das Buch ist kein Bestimmungsbuch für draußen, dafür ist es zu groß. Die Bestimmung der Watvögel nimmt aber trotzdem einen wichtigen Teil des Buches ein. Zu allen Arten werden verschiedene Kleider abgebildet und die Unterschiede, gerade bei schwierigen Arten, werden ausführlich beschrieben. Eine ideale Ergänzung zu den Angaben in Bestimmungsbüchern wie dem Kosmos Vogelführer.
Bei einigen Arten wird sich der ein oder andere noch mehr Fotos wünschen, aber irgendwo muss man vermutlich als Autor und Verlag die Grenze ziehen.
Auf deutscher Sprache ist mir bzgl. der Bestimmung von Limikolen nichts vergleichbar gutes bekannt. Und die ideale Ergänzung zu englischen Werken wie Shorebirds of the Northern Hemisphere .

Am Anfang findet man einen allgemeinen Überblick über die Watvögel inkl. Angaben zur Mauser, zu den Lebensraumansprüchen und eine Einführung in die Bestimmung der Watvögel.

Besonders hilfreich sind die Vergleichstafeln von ähnlichen Arten, z.B. die unterschiedlichen Goldregenpfeifer Arten oder die verschiedenen Strandläufer.

Neben den Bestimmungsmerkmalen behandelt das Buch auch die Brutbiologie und Verbreitung der jeweiligen Arten. Auch hier findet man zu jeder Art die wichtigsten Informationen. Natürlich ersetzt das Buch keine umfangreiche Monographie, wie z.b.  The Lapwing. Wer noch mehr wissen möchte, der kann sich u.a. das HBW Alive abonnieren und dort die Artkapitel lesen. Besonders empfehlenswert ist auch das Buch Shorebird Ecology, Conservation, and Management .

Optisch ist das Buch hervorragend gestaltet. Die Fotos sind von der heute gewohnten sehr hohen Qualität und man kann viel Zeit damit verbringen einfach die schönen Bilder anzuschauen und so mehr über die Gefiederdetails der einzelnen Arten zu lernen. Oder sich einfach nur zu freuen wie schön die Watvögel sind.
Auch der Text ist gelungen. Viele Details sind in den Artkapiteln untergebracht. Trotzdem leidet nie die Lesbarkeit.

Zu Kritisieren gibt es nur eine Kleinigkeit. Das Fehlen der englischen Namen. Wenn man sich näher mit Watvögeln beschäftigen will kommt man um englische Literatur nicht herum. Mit den englischen Namen geht das leichter als wenn man erst mal den Umweg über die wissenschaftlichen Namen nehmen muss, welche sich mit neuen DNA Studien auch noch wieder ändern können und nicht immer so beständig sind wie die englischen.

Fazit:
Ein wunderschönes und hochinteressantes Buch. Ein Muss für jeden der sich ernsthaft mit Watvögeln beschäftigt.

 

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