Buch Rezension: Vögel – Zwischen Himmel und Erde

Vögel Beobachten macht Spaß. Man ist draußen in der Natur (oder schaut vom Balkonfenster) und genießt die Vielfalt an Vögeln, versucht schwierige Arten zu bestimmen oder ist hinter einer Seltenheit her. Besonders spannend ist oft das Verhalten der Vögel und je mehr Zeit man draußen verbringt, desto mehr lernt man über das Leben der Vögel.

Aber auch wenn man sein ganz Leben draußen verbringt kann man nur einen Bruchteil des Verhaltens der Vögel beobachten. Es sind schlicht zu viele Arten und Verhaltensweisen. Da kommt dann oft nach dem Beobachten das Studium der Literatur um mehr über einzelne Vogelarten zu lernen. Das können wissenschaftliche Studien oder dicke Bücher über Ornithologie sein. Aber manchmal möchte man einfach nur ein unterhaltsames, gut geschriebenes Buch lesen ohne gleich in die Tiefen der wissenschaftlichen Fachliteratur eintauchen zu müssen (was man natürlich trotzdem machen kann).

Der Biologe Ulrich Schmid hat mit Vögel – Zwischen Himmel und Erde ein sehr schönes und unterhaltsames Buch über eine Auswahl der in Mitteleuropa heimischen Vögel geschrieben.

Die insgesamt Arten sind alphabetisch angeordnet. Den Anfang macht die Amsel, am Schluss findet man den Zaunkönig.

Dazwischen findet man sowohl häufige Arten wie den Haussperling oder den Buchfink, aber auch seltene Arten wie den Wachtelkönig. Sogar Exoten wie die in Stuttgart brütende Gelbkopfamazone (eine Papageienart) oder die mittlerweile weit verbreitete Nilgans werden vorgestellt.

Oft zitiert Schmid historische Ornithologen, allen voran Friedrich Naumann (1780 – 1857), um eine historischen Perspektive zu geben. Dies wird dann mit modernen Forschungsergebnissen erweitert. Sie bekommt man als Leser einen faszinierenden Einblick in des Leben der ausgewählten Arten.

Z.B. erklärt Schmid warum die Feldlerche eine Superlunge hat oder wie ihr komplexer Stimmapparat funktioniert. Bei der Nachtigall lernt man, dass die Gesänge z.T. angeboren, z.T. erlernt sind. Bei den Rauchschwalben erklärt der Autor anhand der längeren Schwanzfedern der Männchen die sexuelle Selektion und das sog. Handicap-Prinzip. Rauschwalben mit längeren Schwanzfedern werden zwar leichter Opfen von Feinden (z.B. Sperber), werden aber auch von den Weibchen bevorzugt da die längeren Schwanzfedern auch eine bessere Gesundheit und bessere Gene anzeigen.

Bei der Elster räumt der Autor mit dem Mythos der „diebischen Elster“ auf.

Besonders interessant fand ich, dass Schmid auch dem „Urvogel“, dem Archaeopteryx ein eigenes Kapitel widmet. Die Evolution der Vögel (von Dinosauriern!)  ist ein umfangreiches und komplexes Thema aber Schmid gelingt es mit dem Kapitel Lust auf mehr zu machen. Empfehlenswert ist hier z.B. in Flying Dinosaurs: How Fearsome Reptiles Became Birds.

Immer wieder geht Ulrich Schmid auch die Gefährdung der Vögel ein, z.B. dass die Feldlerche mit der industriellen Landschaft nicht zurechtkommt, der Kuckuck unter dem Instektensterben leidet (wie seine Wirtsvögel!) oder wie auch der Fitis unter dem Klimawandel. Bleibt zu hoffen dass das Buch nicht nur viele Leser findet sondern am Ende auch mehr Menschen die sich für den Schutz der Vögel interessieren und engagieren.

Das Buch ist auch handwerklich sehr schön gemacht. Der stabile Hardcover Einband fühlt sich sehr angenehm an. Die Druckqualität ist top und das ganze Buch fühlt sich einfach sehr hochwertig an.

Ulrich Schmid kann sehr gut schreiben. Er schafft es interessante wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich wieder zu geben ohne dass er sie zu stark vereinfacht.

Natürich wird nicht jeder mit der Artenauswahl perfekt zufrieden sein und evtl. eine Art vermissen. Ich hätte mir z.B. eine Kapitel über Seeadler oder Steinadler gewünscht. Aber das Buch sollte vermutlich auch nicht zu dick werden, darum kann man nicht alle Arten behandeln. Dafür gibt es ja zum Glück viele andere Quellen, wie z.B. HBW Alive, der stetig aktualisierten Online Version des Handbook of the Birds of the World, wo man zu jeder der über 10.000 Vogelarten viel Wissenswertes findet (unbedingt abonnieren!).

Fazit

Ein wunderschön gemachtes Buch mit sehr interessanten Texten. Wer sich für die heimische Vogelwelt interessiert oder ein Geschenk für jemanden sucht der sich für die Natur begeistert, dem sei dieses Buch wärmsten empfohlen.

Wehr mehr wissen möchte

Wer noch mehr wissen möchte dem sei unbedingt das auch von Ulrich Schmid empfohlene Handbook of Bird Biology nahegelegt. Im Oktober erscheint Ornithologie für Einsteiger und Fortgeschrittene. Und bereits für September ist Ornithology – Foundation, Analysis, and Application angeküdigt.