Buch Rezension: Wildtiermanagement

Wildtiermanagement ist heute allgegenwärtig.

In dicht besiedelten Regionen wie Mitteleuropa gibt es viele Berührungspunkte zwischen Wildtieren und Menschen.
Die einen wollen bestimmte Arten nutzen (z.B. durch die Jagd), andere wollen die Tiere beobachten oder Fotografieren, wieder andere wollten zumindest bestimmte Arten loswerden oder reduzieren (z.B. manche Jäger, die dem Luchs oder Wolf kein Lebensrecht einräumen wollen).
Damit das Miteinander mit Wildtieren gut funktioniert und vor allem stabile und gesunde Populationen erhalten werden können, benötigt es eine sachliche Herangehensweise, basierend auf wissenschaftlicher Forschung, aber auch unter Einbeziehung aller betroffenen Personenkreise.
Genau hier setzt dieses Buch an. Der Schwerpunkt liegt auf der Schweiz, es wird aber immer wieder auf Beispiele aus Deutschland oder Österreich eingegangen.

Besonders angenehm fällt auf dass die Autoren immer sachlich bleiben. Man merkt beim Lesen dass ihnen der Schutz der heimischen Arten sehr am Herzen liegt.

Interessant sind die über das ganze Buch verteilten Interviews mit Biologen und Wildtiermanagern. So bekommt man auch einen kleinen Einblick in die Praxis.

Am Anfang des Buches erklären die Autoren was sie unter Wildtiermanagement verstehen und beschreiben die grundlegenden Arbeitsweisen, z.B. beim Erfassen von Populationen oder der Habitatqualifizierung.

Danach folgenden 4 Kapitel mit den Titeln „Zu wenig!“, „Im Gleichgewicht?“, „Zu viel?“ und „Neu“.

Im Kapitel „Zu wenig!“ werden bedrohte Tierarten beschrieben. Für die Arten werden die aktuelle Situation, mögliche und bereits durchgeführte Schutzmaßnahmen und Zieldefinitionen beschrieben. Den Autoren ist hier eine gute Auswahl der Arten gelungen und man findet u.a. Kapitel zu Bartgeier, Auerhuhn, Laubfrosch, Ringelnatter, Fischotter oder Hermelin.

Das Kapitel „Im Gleichgewicht“ behandelt u.a. Arten die einigen schon zu häufig sind, von anderen aber immer noch als (stark) bedrohte Arten angesehen werden. Das trifft besonders auf die 3 Großraubtiere Wolf, Braunbär und Luchs zu. Andere Arten in dem Kapitel sind u.a. Fuchs, Biber, Graureiher oder der Rothirsch. Die Autoren sprechen sich auch hier für Sachlichkeit und ein mögliches Miteinander mit den Wildtieren aus, auch bei den umstrittenen Arten wie Luchs oder Wolf.

Im Kapitel „Zu viel?“ gehen die Autoren anhand von mehreren Beispielarten der Frage nach ob es tatsächlich „zu viele“ gibt. Dabei machen die Autoren deutlich dass die Einschätzung „zu viele“ sehr unterschiedlich getroffen wird. In den Artkapiteln wird dann sachlich drauf eingegangen wie es um die einzelnen Arten steht und wo weitere Schutzmaßnahmen nötig sind. Die 3 Arten die hier beschrieben werden sind Wildschwein, Kormoran und Schermaus. Die Autoren sehen ein dass z.B. die Schermaus in der Landwirtschaft große Schäden anrichten kann, weißen aber auch auf ihre ökologische Bedeutung hin, z.B. als Beute für Greifvögel und Säugetiere. Beim Kormoran sprechen sich die Autoren u.a. für eine Renaturierung der Gewässer aus um den Fischen Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Das ist allemal besser als den Kormoran einfach stark zu bejagen. Eine Renaturierung von Flüssen, Bächen und Seen würde auch vielen anderen Arten (Fischen, Libellen, Wasservögel, usw) zugutekommen.

Im Kapitel „Neu“ wird abschließend noch auf einige Neubürger eingegangen. Auch hier ist es sehr angenehm, dass die Autoren sich nicht pauschal gegen Neuankömmlinge aussprechen. Sie weißen z.B. beim Goldschakal darauf hin, dass die Art aus eigener Kraft nach Mitteleuropa einwandert (evtl. weil es hier so wenig Wölfe gibt?).
Andere Arten in dem Kapitel sind Mittelmeermöwe oder die Rostgans. Bei der Regenbogenforelle machen die Autoren deutlich dass es aus ökologischer Sicht ein Fehler war diese Art in Mitteleuropa einzuführen.

Zum Schluss gibt es noch ein Kapitel über die Zukunft des Wildtiermanagements.

Das Buch konzentriert sich auf Wirbeltiere (Vögel, Säugetiere, Amphibien, Reptilien). Ich persönlich hätte mir noch ein paar Kapitel und Beispiele zu Insekten gewünscht (Libellen, Tag- und Nachtfalter, Heuschrecken, Käfer, usw).
Aber das ist dann auch der einzige kleine Kritikpunkt.

Das Buch ist leicht zu lesen und auch für Laien problemlos verständlich.

Fazit
Ein sehr wichtiges und hervorragendes Buch. Eine klare Empfehlung für jeden der sich für den Schutz der Wildtiere in Mitteleuropa interessiert. Vor allem Behörden, Naturschutz NGOs, Jäger und Landnutzer sollten sich das Buch zulegen. Aber auch jeder andere der sich für Naturschutz interessiert, z.B. als Ehrenamtlicher, wird viele wertvolle Information in dem Buch finden.
Abschließend wäre es wünschenswert, dass auch Politiker dieses Buch lesen bevor sie Entscheidungen treffen .

Mit 59 Euro ist das Buch nicht gerade günstig. Evtl. kann der Verlag ja noch eine etwas günstigere Taschenbuchausgabe herausbringen. Das würde das Buch besonders für Ehrenamtliche noch interessanter machen.

 

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