Kiebitz Beobachtungen melden – Schutz für eine abnehmende Vogelart

Kiebitz - Nationalpark Neusiedler See. © Markus Jais

Der Kiebitz – eine bedrohte Art

Der Kiebitz ist einer der bekanntesten Limikolen (auch Watvögel genannt) in Europa. Seine schöne Färbung, die langen Federn am Kopf und der auffällige, z.T. an Schmetterlinge erinnernde Flug, machen ihn zu einem auffälligen Vogel. Allerdings nur dort wo er noch vorkommt. Und solche Gebiete werden leider immer weniger. Aber es gibt Möglichkeiten dem faszinierenden Vogel zu helfen!

Im Atlas Deutscher Brutvogelarten findet man ernüchternde Zahlen. Für den Zeitraum 1990 – 2009 gibt das Werk eine „starke Bestandsabnahme“ an. Während man 1985 noch von ca. 215.000 Brutpaaren ausging schätzte man den Bestand zwischen 2005 und 2009 nur noch auf 63.000 bis 100.000 Brutpaare. Der negative Trend dürfte seit 2009 weiter anhalten. Der NABU gibt eine Bestand von etwa 80.000 Paaren für Deutschland an.

In Deutschland wird der Kiebitz mittlerweile als „Stark gefährdet“ eingestuft. Auch international ist der hübsche Vogel mittlerweile als „Gefährdet“ eingestuft da sich der negative Trend in vielen Ländern beobachten lässt. Die Ursachen sind meist die gleichen: Zerstörung der Lebensräume.

Lebensraumverlust

Ursprünglich ist der Kiebitz eine Art der Feuchtgebiete wie z.B. Seggenrieden, Feuchtwiesen, Überschwemmungsflächen und ähnlichem. Auch mit der Landwirtschaft kam er gut zurecht als die Bewirtschaftung noch auf extensives Grundland ausgerichtet war.

Der Kiebitz ist sogar eine recht anpassungsfähige Art und hat den Sprung auf Ackerflächen geschaft wo er durchaus sehr erfolgreich brüten kann. Aber die Anpassungsfähigkeit hat ihre Grenzen und in einer intensive genutzten Agarlandschaft verschwindet der Kiebitz oft völlig. Zu häufiges Mähen von Wiesen zerstört Gelege oder die Jungvögel.  Eine durch Düngung zu dichter Grasbestand bleibt feucht und kann die Jungvögel auskühlen. Wintergetreide ist schlechter (aber immer weiter verbreitet) als Sommergetreide weil es im Frühjahr zu schnell zu hoch und zu dicht wächst. In Maisfeldern führte die intensive Bearbeitung zu hohen Verlusten. Auch Gemüsefelder erweisen sich als Falle. Am  Anfang sind sie attraktiv aufgrund der offenen Vegetation aber später werden sie oft mit Folien bedeckt, intensiv bewässert und maschinell bearbeitet. Auch hier haben Kiebitze wenig Chancen auf guten Bruterfolgen. Pestizide zerstören oft die Nahrungsgrundlage der Watvögel.

Insgesammt kann man sagen dass die heute sehr intensive Landwirtschaft für den Kiebitz keine Alternative darstellt und die Art in sehr intensiv bewirtschafteten Gebieten keine Zukunft hat.

Jagd auf Kiebitze (und andere Vögel) in Frankreich ist sicher auch wenig hilfreich um die Art zu schützen und sollte umgehend verboten werden.

Selbst aktiv werden: Kiebitze beobachten und melden

Der NABU hat jetzt zur Meldung von Kiebitzbeobachtungen aufgerufen. Dies kann man z.B. über das hervorragende Portal ornitho.de machen. Je mehr und je genauere Daten der NABU zur Verfügung hat, desto besser kann man die Lebensraumansprüche, das Zugverhalten und die Gefährungsursachen verstehen und daraus dann Schutzmaßnahmen ableiten. So kann jeder der mitmacht zum „Citizen Scientist“ werden und selbst für die Wissenschaft und den Naturschutz wertvolle Daten liefern. Ohne die Mitarbeit von tausenden von ehrenamtlichen Beobachtern wären solche Projekte nicht möglich. 2016 wurden mehr als 15.000 Beobachtungen gemeldet.

Inseln für Kiebitze – Schutz der funktioniert

Der NABU führt eine umfangreiche Studie zum Schutz von Kiebitzen durch. Unter anderem werden hier sogenannte Kiebitzinseln erforscht. Diese Brachflächen haben eine Fläche von 0.5-2.5 Hektar und werden mindestens 1 Jahr nicht bewirtschaft. Dies soll den Bruterfolg der Kiebitze erhöhen. Erste Ergebnisse zeigen eine positive Wirkung der Kiebitzinseln.  Auch in Österreich wird mit Kiebitzinseln experimentiert und erste Ergebnise zeigen auch hier ermutigende Ergebnisse. In Österreich brüten derzeit noch etwa 5.000 Brutpaare, davon ca 95% auf Ackerflächen. In der Schweiz brüten heute nur noch etwa 100-120 Brutpaare (der niedrige Bestand ergibt sich natürlich teilweise dadurch dass die Schweiz größtenteils von Gebirge bedeckt ist). Auch in der Schweiz gibt es mittlerweile mehrere Schutzprojekte.

Der Schutz der Kiebitze ist möglich. Allerdings geht das nur zusammen mit der Landwirtschaft. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Landwirte dazu bewegen Aufwand für den Kiebitzschutz zu betreiben, z.B. durch die Anlage von Kiebitzinseln. Dafür ist natürlich finanzielle Unterstützung der Landwirte erforderlich.

Zusätzlich sollte noch vorhandenes  Feuchtgrünland erhalten oder wo möglich wieder hergestellt werden. Das würde auch anderen bedrohten Arten wie  Uferschnepfe,  Großem Brachvogel oder dem Wiesempieper helfen.

Weiterführend Links

NABU: Kiebitz Beobachtungen melden

NABU: Kiebitzschutz – Habitatwahl und Populationsstudien (mit ausführlichen Jahresberichten)

BfN: Umsetzung eines Artenschutz-Projektes zur Förderung des Kiebitzes in der Agrarlandschaft

NABU: Artportrait Kiebitz

Birdlife Österreich: Kiebitzinseln Projekt

Birdlife Schweiz: Kiebitz Projekte

 

Buch zum Kiebitz

Ein umfangreiche, wissenschaftlich fundierte Monographie über den Kiebitz wurde 2007 von Michael Shrubb veröffentlicht. Da bereits 10 Jahre alt, enthält das Buch nicht mehr die allerneustens Studien oder Bestandszahlen. Trotzdem ist es ein hervorragendes Werk falls man sich intensiv mit dem Kiebitz beschäftigen will:

 

 

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