Welche Ausrüstung benötigt man zum Vögel Beobachten?

Haussperling, © Markus Jais

Vögel Beobachten macht Spaß! Und ist eine auch in Mitteleuropa immer beliebter werdende Freizeitbeschäftigung.

Dabei geht die Intensität von dem Beobachten von Wasservögeln beim Stadtspaziergang bis zum Versuch, möglichst viele der weltweit über 10.000 Vogelarten im Laufe seines Lebens zu sehen.

In diesem Artikel erkläre ich was man braucht um Vögel zu beobachten und was man sich im Laufe der Zeit noch anschaffen kann.

Genau genommen braucht man gar nichts außer seinen Augen zum Beobachten von Vögeln. Und am besten noch seine Ohren um die Vögel beim Singen und  Rufen zu belauschen.

Das Beobachten mit dem bloßen Auge wird aber außer bei sehr zutraulichen Arten schnell unbefriedigend. Viele Arten sind sehr scheu und oft weit weg. Und auch wenn man mit bloßen Auge einen Steinadler in den Alpen auch noch aus 800 Metern Entfernung bestimmen kann ist die Beobachtung selbst dann doch wenig spektakulär. Das heißt, ohne brauchbare Optik stößt man schnell an seine Grenzen.

Ein Muss – das Fernglas

Praktisch jeder Orni hat ein Fernglas. Daran führt nicht wirklich kein Weg vorbei.

Welches Fernglas man sich anschafft hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Die meisten haben ein Vergrößerung von 8x/8.5x oder 10x. Auch 7x oder 12x sind verbreitet. Seltener gibt es noch stärkere Vergrößerungen, z.B. sogar mit integriertem Bildstabilisator, z.B. von Canon oder ein altes von Zeiss mit 20-facher Vergrößerung.

Ich persönlich bevorzuge ein 10×42 Glass, d.h. 10-fache Vergrößerung und 42mm Durchmesser bei der Frontlinse. Manche bevorzugen 8x oder 8.5x (beliebt bei Swarovski). Diese Vergrößerungen kann man meist noch ohne Wackeln halten.

Ein gutes Fernglas solle ein (sehr) scharfes Bild liefern, das Gesehene farbneutral wiedergeben, leicht sein und gut bedienbar. Außerdem ist es hilfreich wenn es gegen Regen und Staub geschützt ist.

Seeadler
Immaturer Seeadler, Gülper See, Brandenburg, © Markus Jais. Um Seeadler gut zu beobachten hilft ein Fernglas. Meist sind die Adler zu weit weg um sie mit bloßen Auge zufriedenstellend zu sehen.

 

Wichtig für viele, auch für mich, ist, dass das Fernglas auch mit Brille ohne Schwierigkeiten funktioniert und das Sehfeld nicht oder kaum eingeschränkt ist. Hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Mein Zeiss Victory SF 10×42 ist mit Brille sehr gut zu benutzen. Die aktuellen Modelle von Swarovski sind auch sehr gut mit Brille zu benutzen. Mit oder ohne Brille gilt: Unbedingt ausprobieren vor dem Kauf. Manchmal kann auch ein Optiker die Brille noch etwas zurecht biegen, so dass man eine bessere Sicht durch das Fernglas hat. Dazu das Fernglas mit zum Optiker nehmen. Mir das hat auf jeden Fall nochmal was gebracht.

Natürlich ist das Fernglas auch eine Preisfrage. Die Top-Modelle von Leica, Zeiss oder Swarovski kosten meist über 2.000 Euro. Dafür hat man aber oft sehr lange Garantie und man kann diese Modelle meist über Jahrzehnte benutzen. Und optisch sind sie so gut dass man nicht Angst haben muss in 2 Jahren bereits was deutlich besseres zu finden. Die optische Leistung dieser Modelle ist bereits so gut dass man sich kaum noch Verbesserungen vorstellen kann.

Aber nicht jeder will gleich über 2.000 Euro ausgeben. Es geht natürlich auch billiger, z.B. mit Ferngläsern vom Hersteller Minox und anderen Anbietern. Oder man sucht sich ein gutes gebrauchtes.

Wer keine 10×42 oder 8×42 mag findet vielleicht an einem kleineren Fernglas Gefallen. Diese sind oft deutlich leichter und auch günstiger. Ein 8×30 oder 10×30 kann eine gute Alternative sein.

Oder man nimmt gleich ein wirklich kleines wie ein 8×20 oder 10×25. Diese kosten deutlich weniger als die großen 10×42 und wiegen auch weniger als die Hälfte (je nach Model etwa 250-350g). Zeiss, Leica, Swarovski und andere haben alle ähnliche Modelle im Angebot. Optisch sind die Gläser gerade von den Top-Herstellern sehr gut. Man muss bedenken dass bei einem Durchmesser der Frontlinse von nur 20mm oder 25mm weniger Licht durchkommt und das Bild dunkler sein kann. Bei Sonnenschein fällt das nicht viel auf, aber wer viel in der Dämmerung beobachtet (z.B. Eulen, Ziegenmelker, Säugetiere), der ist mit einem 10×42 oder gar 10×50 besser bedient. Auch bei einem kleinen Fernglas gilt: Ausprobieren bevor man kauft.

Sehr hilfreich – das Spektiv

Ohne Fernglas geht praktisch kaum ein Vogelbeobachter raus ins Freie. Aber oft sind Vögel scheu oder aus anderen Gründen weit weg, z.B. ein weit entfernt fliegender Adler oder ein Seetaucher mitten auf einem größeren See oder weit draußen auf dem Meer. Dann kann man bestimmte Details oft mit dem Fernglas alleine nicht mehr erkennen und man benötigt deutlich stärkere Vergrößerungen. Bei kleinen Vögeln, z.B. einem Zwergstandläufer oder Baumpieper muss die Distanz gar nicht so groß sein um wichtige Details nicht mehr zu erkennen.

Während die meisten Ferngläser Vergrößerungen zwischen 7x-12x haben, besitzen die meisten Spektive eine Vergrößerung von 20-60x, manche sogar bis 75x. Manche Spektive haben eine feste Vergrößerung (oft 30x), andere habe ein Zoom Okular mit z.B. 25-50 oder 20-60. Ich persönlich bevorzuge ein Zoom.

Spektive haben normalerweise nur ein Okular, d.h. man schaut mit einem Auge durch. Swarovski hat mittlerweile ein Modul vor seine Spektive vorgestellt mit dem man mit beiden Augen durchschauen kann. Billig ist das nicht, aber für den ein oder anderen ist das evtl. angenehmer zum Beobachten, besonders bei langen Beobachtungen. Das sollte man aber unbedingt selbst testen ob man damit besser zurecht kommt. Diese Okulare (BTX genannt) gibt es auch nur mit fester Vergrößerung (30x und 35x, je nach dem was man davor schraubt). Wer ein Zoom von Swarovski will muss mit den ATX/STX Modellen auskommen, die nur mit einem Auge benutzbar sind (wie auch fast alle anderen Spektive auf dem Markt).

Es gibt viele Hersteller von Spektiven. Zu den besten – und teuersten – Marken zählen Zeiss, Swarovski, Kowa, Leica und Nikon. Man muss nicht unbedingt ein Spektiv dieser Hersteller kaufen. Aber man sollte auch keins für unter 100 Euro kaufen wenn man es ernst damit meint. Der Unterschied zur Spitzenklasse ist deutlich.

Am besten selbst im Laden testen oder draußen bei anderen Beobachtern durchschauen.

Stativ – ein Muss für Spektive

Ein Fernglas mit 10-facher Vergrößerung können die meisten Menschen noch recht stabil halten. Ein Spektiv mit 20-60x Zoom muss man auf ein Stativ stellen. Hier sollte man nicht das billigste nehmen. Es muss stabil genug sein dass das Spektiv nicht wackelt (auch nicht bei Wind), sollte aber auch nicht so schwer sein dass man es nicht mehr tragen will.

Zum Stativ gehört noch der Stativkopf. Ideal sind sogenannte Videoneiger (oft als Fluid Neiger bezeichnet). Diese lassen sich sehr flüssig bewegen mit einem langen Hebel. Das ist sehr angenehm wenn man eine fliegenden Vogel verfolgt oder man Schilfränder oder Sandbänke absucht.

Es gibt sehr viele Modelle an Stativen und Stativköpfen. Am besten man geht zu einem großen Fachhändler wo man unterschiedliche Kombinationen testen kann. Oder man schaut sich an was andere Birder nutzen und fragt ob man das mal kurz testen darf.

Haussperling, © Markus Jais. Ein Spektiv kann auch helfen vertraute Vögel wie einen Haussperling mal wirklich groß und genau zu beobachten.

 

Im Internet findet man auch viel Tests und Berichte sowie Foren (z.B. birdforum.net) wo man auch nachfragen kann und sich mit Birdern austauschen kann die ein Spektiv mit passendem Stativ schon besitzen.

Gewicht – ein entscheidender Faktor beim Spektivkauf

Spektiv + Stativ sind deutlich schwerer als ein Fernglas. Bei einem solidem Stativ (auch wenn es Carbon ist) mit Stativkopf und Spektiv kommt man schnell auf 5kg oder mehr. Die kleineren Spektive können auch auf kleineren Stativen sitzen und da kommt man evtl. nur auf etwa 3kg (z.B. wenn man das sehr kleine und leichte Nikon Fieldscope 50 hat mit 13-40x Okular).

Wie schwer man seine Kombination haben will ist sehr individuell. Der eine will möglichst wenig Gewicht schleppen, der andere nimmt für mehr Vergrößerung oder Lichtstärke auch ein höheres Gewicht in Kauf. Wer nur im Flachland unterwegs ist kann evtl. auch mit mehr Gewicht auskommen als jemand der sich hauptsächliche mit den Vögeln der Alpen oder Anden beschäftigt.

Extreme Vergrößerungen mit Spektiv + Extender

Mittlerweile bieten einige Hersteller einen Extender (Konverter) an. Swarovski hat z.B. 2017 einen 1.7x Extender vorgestellt. Dieser erhöht die Vergrößerung eines Okulars um den Faktor 1.7. Hat man also z.B. ein 30x-vergrößerndes Okular kann man mit den 1.7x Extender eine Vergrößerung von 51x bekommen.

Wer das Swarovski ATX 30-70×95 besitzt kommt damit auf extreme Vergrößerungen. 30-70x steht hierbei für den Zoombereich (30-70-fache Vergrößerung). 95mm ist der Durchmesser der Frontlinse, was auch bei schwachen Lichtverhältnissen noch ein sehr helles Bild liefert. Der Extender macht daraus ein 51-119-faches Zoom (Swarovski gibt auf dem Extender 50-120x an).

Wichtig: Damit diese extreme Vergrößerung von ca 120-fach noch gute Ergebnisse liefert benötigt man ein solides Stativ mit solidem Stativkopf. Ansonsten wackelt das ganze zu stark und man bekommt kein scharfes Bild. Auch muss man sich vorsichtiger dem Okular nähern um nicht zu verwackeln.

Heiße Luft und das damit kommende Flimmern ist ein weiteres Problem was bei extremen Vergrößerungen nur schlimmer wird.

Hat man aber ein solides Stativ und klare Luft, kann man mit 120x viel mehr Details erkennen als bei einer 60-fachen Vergrößerung.

Das ATX 30-70×95 ist preislich mit das teuerste was man kaufen kann, man bekommt aber eines der besten Spektive auf dem Markt. Der neue 1.7x bietet hier dann nochmal ganz neue Möglichkeiten. Ob man das ausgeben will muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ein Muss ist dieses Spektiv oder der Extender mit Sicherheit nicht.

Ich selbst besitze diese Kombination und bin damit bisher sehr zufrieden.

Neben Swarovski bieten auch andere Hersteller Extender an. Es lohnt sich immer auch hier die aktuellen Angebote zu vergleichen und sich ausführlich zu informieren.

Optik selbst testen bevor man kauft

Nicht jeder kommt mit jedem Spektiv oder Fernglas gleich gut zurecht. Das trifft besonders für Brillenträger zu. Ich rate daher jedem Ferngläßer und Spektive vor dem Kauf zu testen. Das geht z.B. im guten Fachhandel oder auch bei anderen Birdern die das Gerät bereits besitzen. Idealerweise kann man das Gerät gleich draußen im Feld testen.

Bitte bedenken, dass bestimmte Licht- und Luftverhältnisse das Testergebnis beeinträchtigen können. Bei 40 Grad in Spanien zur Mittagszeit wird ein 1km entfernter Spanischer Kaiseradler auch mit dem besten Spektiv nicht mehr perfekt scharf sein weil durch die Hitze es stark flimmern kann. Daher besser bei kühlen Temperaturen und klarer Luft testen.

Bestimmungsbücher

Man braucht mindestens ein gutes Bestimmungsbuch. Wer sich auf Europa beschränkt der sollte sich bei ernsthaften Interesse unbedingt den Kosmos Vogelführer kaufen. Die neue Auflage hat auch die Englischen Namen mit dabei (sehr hilfreich im Ausland) und ist mit Abstand das beste Buche über alle Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. Es gibt nichts was auch nur annähernd so gut ist. Das Buch ist auch als App für iOS und Android verfügbar. Dann hat man alles auf dem Handy und muss nicht das Buch mitschleppen. Und die Apps haben auch gleich Rufe und Gesänge integriert. Aber zum Blättern auf der Couch ist das Buch nach wie vor viel angenehmer. Ich habe sowohl das Buch als auch die Android App.

Wer gerade erst einsteigt mag vielleicht erst mal ein Buch mit weniger Arten haben, z.B. nur die in Mitteleuropa vorkommenden Arten. Manche bevorzugen auch Bücher mit Fotos (der Kosmos Vogelführer hat nur Zeichnungen). Es gibt ein Vielzahl von Büchern, aber bei intensiverer Beschäftigung kommt man nicht am Kosmos Vogelführer vorbei.

Uferschnepfe, © Markus Jais
Uferschnepfe, © Markus Jais. Um Uferschnepfen sicher von Pfuhlschnepfen unterscheiden zu können lohnt sich der Blick in ein gutes Bestimmungsbuch (oder als App)

 

Bei längerer Beschäftigung mit dem Hobby Vogelbeobachtung schafft man sich evtl. auch noch speziellere Werke an, z.B. Bücher welche sich nur mit dem Bestimmen von Greifvögeln beschäftigen, wie z.B. mit dem hervorragendem Werk von Dick Forsman (Flight Identification of Raptors of Europe, North Africa and the Middle East, 2016). Hier sieht man schon am Titel dass man hier oft auf englische Literatur zurückgreifen muss. Auch wenn man Europa verlässt ist man praktisch immer auf englische Literatur angewiesen. So gibt es nicht mal für Nordamerika ein deutsche Übersetzung von gängigen Werken wie dem National Geographic Filed Guide to the Birds of North America (7. Auflage ab September 2017).  Brauchbare Englischkenntnisse sind also sehr hilfreich. Ich habe schon lange aufgegeben mir für die Arten außerhalb Europas die deutschen Namen zu merken. Bei über 10.000 Vogelarten macht das für mich persönlich wenig Sinn und mir reichen die englischen Namen. Wenn ich doch mal einen deutschen Namen brauche, z.B. für einen Vortrag, finde ich den über HBW Alive raus. Für Spanien merke ich mir einige spanische Vogelnamen, das kann helfen wenn man mit einheimischen Spanisch spricht.

Vom Vogelbeobachter zum Vogelschützer

Viele Vogelbeobachter sind auch im Vogelschutz aktiv. Spätesten wenn man liest oder merkt dass viel Vogelarten sehr selten geworden sind, entsteht oft der Wunsch sich auch irgendwie im Vogelschutz zu engagieren, z.B. durch Mitarbeit bei Vogelschutzvereinen (z.B. NABU, LBV), durch das Halten von Vorträgen, durch schreiben von Artikeln oder auch nur durch Spenden. Es gibt immer was zu tun und jeder kann für sich was finden was der gerne tut und den Vögeln hilft.

Vogelbeobachtung kann sehr viel zum Vogelschutz beitragen. Bleibt zu hoffen dass immer mehr Menschen sich für dieses faszinierende Hobby interessieren und dadurch auch die Vogelwelt eine immer größere Lobby bekommt.